GLR

Kraft
der
Freiheit

Politik, Gesellschaft, Selbsterkenntnis

Von GLR | 28.5.2017 16:00

Anscheinend, und zum Glück, lerne ich wohl doch noch etwas dazu. Nämlich was die Themenbereiche und Augenmerke Politik, Gesellschaft, Selbsterkenntnis und Bewußtsein betrifft. Das Ego, jedes Ego, ist immer schnell involviert, wenn es um den aktuellen Zustand der Politik geht. Entweder, indem es fordert, daß sich die Verhältnisse ändern sollten, oder, indem es proklamiert, man solle sich davon abwenden, weil das, was dort geschieht, ohnehin so ablaufe, wie es nun mal schicksalhaft abzulaufen habe. Bei besserem Verständnis wird klar, inwiefern beides ein Problem des Egos, nämlich der eigenen Selbstvorstellung, ist. Die Geschehnisse in der Politik (oder allgemein, in der sogenannten "Außenwelt") setzen sofort einen Bewertungsmechanismus in Kraft, und dieser kann auch die Form eines Abwendungs- und Verleugnungsmechanismus annehmen. Denn das Ego bringt sich jedes Mal selbst mit ins Spiel.

Die egolose Betrachtungsweise ist fast nirgendwo anzutreffen. Allmählich wird mir aber klarer, worin diese besteht. Nämlich in dem nüchternen Anerkennen aller jeweiligen Situationen. Was bedeutet das? Es bedeutet z.B., keine Urteile über den Bewußtseinszustand der Massenmenschen zu fällen. (Das war einer der Fehler, die mir zuletzt zunehmend unterlaufen sind.) Es bedeutet zugleich auch, keine Urteile über das eigene Interesse zu fällen. Indem z.B. Schlußfolgerungen gezogen werden in der Art, daß dies oder jenes "nichts bringe". Ganz generell bedeutet es die komplette Verabschiedung jeglicher endgültiger Einordnungen oder Bewertungen. Nichts "muß" so oder anders sein.

Ich erkenne jetzt noch deutlicher das, was mir bereits zu Beginn der Wahlkampfauftritte von Donald Trump ab Sommer 2015 aufgefallen ist, was ich damals aber noch nicht genügend neutral und wertfrei zu betrachten imstande gewesen bin. Politik ist nichts anderes als ein Spiel von Kräften, von Lebenskraft, von Energie, von menschlichem Selbstausdruck. Oder, speziell im Fall deutscher Politik, die Zurückdrängung, Tabuisierung, Verkümmerung bis hin zur Abtötung all dieser Aspekte. Politik ist in Deutschland Besserwisserei und Rechthaberei, was wenig bis gar nichts mit Leben und Lebendigkeit zu tun hat. Aber das verdeckt nur den Blick darauf, was sie wirklich ist und was sie ihrem eigentlichen Wesen nach immer sein und bleiben wird.

Dieses Spiel der Kräfte ist nichts, was man ändern oder bewerten kann, sondern man kann es nur anerkennen. Im selben Moment gerät das eigene Ego mit seinen Erwartungen und Enttäuschungen komplett aus dem Fokus. Und das ist bereits eine Heilung in sich. Es nimmt einen selbst aber dann auch keineswegs aus dem Spiel heraus, sondern eher im Gegenteil: Man vollzieht keine Trennung mehr zwischen dem, was man ist, und dem, was man erlebt.

Nehmen wir gleich das brisanteste Beispiel, um zu zeigen, was hier gemeint ist: Nämlich die desolate und pervertierte politische Szenerie in Deutschland. Warum lehnt sich das Volk nicht dagegen auf, komplett übervorteilt und für dumm verkauft zu werden? Solange das Ego will, daß sich das ändert, erschafft es sich bloß Leiden, und solange eine andere Art von Ego in dieser Situation anfängt, schlecht über die Mitbürger zu urteilen, erschafft es sich auch wieder nur Leiden. Dabei ist die einfache, aber vom Ego nie gesehene Antwort die, daß auch das, was hier geschieht, auf eine zuerst noch nicht erkennbare Weise richtig und sogar logisch ist. Die eine Volksmentalität begehrt schnell auf und ist neuen Richtungen gegenüber aufgeschlossen, die andere ist beharrlicher, auch duldsamer, langsamer und passiver, und entsprechend wird das Leben dann in die ebenfalls genau entsprechenden Bahnen einmünden.

Die Probleme, die ein Bewertungen und Urteilen zuneigender Betrachter hat, erweisen sich als seine eigenen. Die Mitbürger, das Wahlvolk, die einfachen Leute werden sich immer so verhalten, wie sie sich verhalten. Sie können gar nicht anders. Wer Politik verstehen will, muß zuallererst das verstehen. Das heißt aber nicht, daß sich auf Dauer nichts ändert. Es ändert sich sogar ständig etwas, aber meistens auf eine Art, die einem komplett entgeht. In gewissen Phasen kann sich etwas sogar sehr schnell und abrupt ändern, und wieder sind alle überrascht und verstehen nicht, wie das passieren konnte.

Das Leben ist letztlich Natur, und Natur kann nicht vollständig verstanden und erklärt werden, sondern es handelt sich um ein Ganzes, das auf eine unerklärliche Weise immer sich selbst treu bleibt. Es ist aber nicht das, was einzelne Menschen denken, und noch weniger das, was sie erhoffen. Wenn einzelne Menschen in der Politik versucht haben, ihre eigenen Vorstellungen über die Natur zu stellen, ist nie etwas Sinnvolles dabei herausgekommen, höchstens Gewalt, Leiden und Zerstörung.

Es gilt also, eine freie, gelassene und offene Sicht einzunehmen. Die Voreingenommenheit des Egos abzugeben, und stattdessen wieder ganz neu hinzuschauen. Dann erweist sich das Spiel der Politik als durchaus vielfältig, wechselhaft und spannend. Man muß aber ertragen lernen, zu sehen, was man sieht. Niemand kann auf Dauer die Kräfte, die hier herrschen, an den Zügel nehmen. Aber jeder ist Teil des Geschehens, und es ist wichtig, sich nicht als Opfer, als ohnmächtigen Zuschauer zu definieren.

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