Magazin

Eindrücke, die zur
Bewußtheit führen können

  • Start
  • Literatur
  • Musik
  • Kunst
  • Filme
  • reschke.de
  • wertperspektive.de
  • Authentisch schreiben lernen

    © GLR | Frühjahr 2008

    Authentisches / kreatives / lebendiges Schreiben

    Schreiben ist ein hervorragendes und äußerst wirksames Mittel der Öffnung und des Selbstausdrucks.

    Sinn des Schreibens

    Schreiben ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich nicht nur intensiver und ehrlicher auf die Welt einzulassen, sondern auch sich selbst näher kennenzulernen. Denn in seinem Schreiben beschreibt jeder Schreibende auch seine ganz eigene Art der Wahrnehmung und des Spürens und Fühlens.

    Kreatives Schreiben

    Kreatives Schreiben ist stets ein Schreiben, das aus dem Augenblick des echten Wahrnehmens und Empfindens entspringt — und ist insoweit jedem gezwungenen, hochgestochenen und bemüht-bedeutungsvollen Formulieren (wie wir es leider aus Kultur, Gesellschaft und Politik zur Genüge kennen) diametral entgegengesetzt. Wer schreibt, um ein dünkelhaftes Selbstbild von Künstlertum oder intellektuellem Anspruch zu kultivieren, entfernt sich damit von sich selbst und seiner wahren Stimme.

    Der richtige Umgang mit dem "Inneren Kritiker"

    Lebendiger Selbstausdruck kommt nur zustande, wenn das eigene Empfinden von Stimmigkeit und Wert höher gewertet werden kann als das in der Gesellschaft, in der Kultur und bei deren Popanzen — also Kritikern, Experten, "Literaturpäpsten", Dozenten, Rezensenten usw. — praktizierte Beurteilen und Abzensieren.

    Alle diejenigen, die das Wagnis, authentisch zu schreiben, schon für eine gewisse Zeit eingegangen sind, wissen, daß der "innere Kritiker" einen der größten Widerstände darstellt und daß einem dies erst bei dem konsequenten Versuch, sich natürlich und unbefangen auszudrücken, so richtig bewußt wird. Zugleich wird einem dann auch bewußt, daß dies bei weitem nicht nur fürs Schreiben gilt, sondern für das ganze Leben und Handeln, ja sogar schon für das eigene zartere Fühlen und Spüren. Sich freizuschreiben bedeutet dann eben auch, sich als Mensch besser anzunehmen und zur eigenen Würde wieder zurückzufinden.

    Schreiben ist keineswegs nur ein Akt der "literarischen Produktion" (und damit auf Lob und Anerkennung eines Publikums gerichtet), sondern in erster Linie ein großer und wichtiger Schritt zurück zu sich selbst.

    Schwerpunkte und Augenmerke

    Praktisch alle üblichen Schreibkurse und Schreibschulungen erwarten von den Teilnehmenden das Nachvollziehen schematischer Maßgaben (fest vorgegebene Sujets oder Stile, äußerliche Fähigkeiten wie verbale Geschicklichkeit oder Interessantheit). Ganz im Gegensatz dazu geht es bei echtem kreativem Schreiben zuerst um das Verständnis der richtigen inneren Voraussetzungen des Schreibens. Dazu gehören: selbstbestimmtes Themeninteresse, das durch die eigene konkrete Lebenslage und die dort angetroffenen Augenmerke angeregt ist — daraus entstehend: echte Motivation ohne Selbstzwang und jenseits von allen Gefallwünschen.

    Der Sprachfluß sowie die Natürlichkeit des Ausdrucks entstehen von selbst durch Finden der "eigenen Sprache". Wahrhaftige Sprache kommt aus dem ganzen Körper, nicht nur aus dem Kopf oder gar aus einem daherplappernden Assoziationsmechanismus, der bloß an der Oberfläche der Empfindungen irgendwelche geistigen Querverbindungen herstellt und sich mit der eitlen Bemühung daran entlanghangelt, "schöne" oder "interessante" Formulierungen zu finden oder Geschichten zu erfinden, die andere "unterhalten" sollen.

    Wichtige Fragestellungen, die zu klären sind, lauten:

    Einige Beispiele für hilfreiche Augenmerke:

    Die echte Hochliteratur

    Wer an authentischem und lebendigem, von sich selbst kommendem Schreiben interessiert ist, vergleicht sich oft mit den "großen Schriftstellern", um dann sofort den Schluß zu ziehen, dort ohnehin nicht mithalten zu können und dafür besser gleich alles wieder bleibenzulassen. Vielleicht hilft einem solchen Wankelmütigen folgender Hinweis:

    Es gibt "solche und solche" Großschriftsteller. Die wirklich großen Autoren haben genau das getan: nur das zu schreiben, was sie in dem Moment schreiben wollten und was ihrem eigenen echten Empfinden entsprach. Und auch sie haben das Schreiben als Mittel verstanden, sich selbst zu finden und ihrer tieferen persönlichen Bestimmung kompromißlos treu zu sein. Einen Handel mit dem Publikum oder dem Buchmarkt sind sie nie eingegangen; eher hätten sie auf allen Lebenskomfort verzichtet. Viele sind zu Lebzeiten auch nicht besonders bekannt geworden — heute werden sie als "Vorbilder" herumgereicht und dienen dem Staat zur Ausstaffierung seines Deutschunterrichts oder zu anderen Zwecken. Im nachhinein, wohlgemerkt!

    Ich meine hier ausdrücklich nicht die relativ genehmen, harmlosen und im jeweiligen Zeitstrom mitschwimmenden Berühmtheiten, und auch nicht die hochgestochenen "Kunstliteraten" (zählen Sie ruhig alle deutschen Literaten der Nachkriegszeit dazu). Sondern ich spiele auf die echte Hochliteratur an, nämlich auf die meisten deutschen Klassiker oder Romantiker ebenso wie auf einen Adalbert Stifter, Rainer Maria Rilke, Marcel Proust, John Cowper Powys oder viele andere.

    Es geht nicht darum, diese in bezug auf Stilkunst nachzuahmen, aber es schadet nicht, ihren unbedingten Ethos nachzuahmen und sich mit diesen Menschen verbunden zu fühlen, die auch nur im Sinn hatten, sich selbst und ihrer Berufung treu zu bleiben. Das ist der allesentscheidende innere Funke, den es zu finden, wachzuhalten und mehr und mehr zu nutzen gilt, denn so wird jeder Mensch, ob "begabt" oder nicht, zu einem Licht, das seine Umwelt mit erhellt und ihr das gibt, was ihr so sehr fehlt.

    Lesetip:

    Startseite
    Copyright © 2018 Gerd-Lothar Reschke  | Impressum | Datenschutz