RESCHKE

.DE

Die Prioritätenfrage

Von GLR | 6.9.2017 6:00

Es ist ganz einfach. Die Prioritätenfrage fokussiert auf den einen Punkt: Was ist wirklich wichtig in deinem Leben? Die meisten Menschen stellen sich diese Frage nicht. Oder ihre Antworten wechseln, je nach momentanem Interesse. Die meisten Dinge, die zwischenzeitlich für wichtig gehalten werden, sind es nicht.

Mir ist klar geworden, daß Selbsterkenntnis und Bewußtheit mein Hauptinteresse sind. Seitdem das klar ist, fällt vieles Überflüssige weg. Was z.B. Politik betrifft, und damit meine ich das, was der normale Alltagsmensch für Politik hält (nicht das, was in seinem eigenen direkten Lebensbereich stattfindet, sondern alles, was außerhalb davon und außerhalb seiner Handlungs- und Verantwortungsreichweite passiert), so läßt sich dieses Überflüssige am einfachsten mit der Maxime beseitigen: Was kannst du ändern, und was kannst du nicht ändern? Andere Menschen kann man nicht ändern, und die Politik im äußeren Sinne (ich halte das für eine falsche, aber allgemein befürwortete Definition des Begriffs Politik — ich nenne es lieber Pseudopolitik) kann man auch nicht ändern. Eigentlich liegt es auch völlig nahe, weshalb sich Menschen mit derlei Dingen dann immer noch und immer wieder beschäftigen.

Die Frage ist, was man will. Wer sich zerstreuen will, findet viele Themen, viele Anlässe und viele Gründe, sich darüber Gedanken zu machen und sich darüber mit anderen auszutauschen. Man nennt das auch "sich unterhalten". Man unterhält sich und andere, oder man läßt sich unterhalten, um der Prioritätenfrage auszuweichen. Gewöhnt man sich das an, so wird die Frage als unangenehm empfunden. Mir hingegen geht es inzwischen so, daß ich die Verdrängung dieser Frage als unangenehm empfinde.

Eine Passage aus einer Sherlock-Holmes-Geschichte, die hierzu einiges beiträgt:

Sherlock Holmes schloß die Augen, stützte die Ellenbogen auf die Lehnen seines Stuhles und legte die Fingerspitzen aneinander. »Der vollendete Denker,« sagte er, »müßte eigentlich imstande sein, an der Hand einer einzigen Tatsache, welche ihm in allen ihren Beziehungen klar geworden ist, sowohl die Begebenheiten, die daraus folgten, als auch diejenigen, welche vorausgingen, zu ermitteln. Genau so, wie Cuvier den Bau eines ganzen Tieres bei der Betrachtung eines einzigen Knochen festzustellen vermochte. Wir sind uns noch viel zu wenig bewußt, was wir alles durch bloße Geistesarbeit erreichen können. Mit Hilfe des Studiums vermag man Probleme zu lösen, an welchen diejenigen verzweifeln, die die Lösung nur vermittels ihrer fünf Sinne zu finden trachten. Der Höhepunkt der Kunst läßt sich jedoch nur erreichen, wenn der Forscher es versteht, alle Fakta zu benutzen, die zu seiner Kenntnis gelangen. Das hat aber ein so universelles Wissen zur Voraussetzung, wie es selbst in unserer Zeit freier und allgemeiner Bildung nur wenigen zugänglich ist. Dagegen scheint es mir nicht so ganz unmöglich, daß ein Mensch alles Wissen besitzt, das ihm in seinem Fach nützlich werden kann, und dies zu erwerben habe ich mich redlich bemüht. Entsinne ich mich recht, so hast du einmal in den Tagen unsrer frühsten Freundschaft die Grenzen meiner Fähigkeiten sehr genau verzeichnet.«

»Jawohl,« erwiderte ich lachend, »es war eine gelungene Liste. Philosophie, Astronomie und Politik waren darin – wenn ich mich recht erinnere – mit einer Null versehen. In Botanik warst du ungleich, in Geologie dagegen sehr gründlich, namentlich mit Bezug auf Dreckspuren aus jeder beliebigen Gegend im Umkreis von London; mit Chemie stand's brillant; Kenntnisse in Anatomie unsystematisch; in Kriminaliteratur ein hervorragender Kenner. Im übrigen guter Boxer, Fechter, Jurist. So lauteten wohl die Hauptpunkte meiner Analyse.«

Holmes lachte. »Und ich sage heute wie damals: Der Mensch soll seine kleinen Gehirnkammern mit dem füllen, was er voraussichtlich brauchen wird, das übrige kann er in den dunkelsten Winkel seiner Bibliothek stecken, wo er es im Notfall findet.

Arthur Conan Doyle: Fünf Apfelsinenkerne

Auch diese Textpassage enthält einen Hinweis:

"Wenn alle so einen Punkt des Willens haben, warum entdecken sie ihn dann nicht?"

"Weil sie ständig außer sich sind", erwiderte Sabazius. "In ihrem Wachtraum zerstreuen sie die dafür erforderliche Energie in alle Richtungen. Sie sammeln sich nie auf etwas, sie hören und berühren nie etwas. Außer in seltenen Augenblicken werden sie ständig von den Energien der Welt hierhin und dorthin getragen. Nähert sich ein Mensch aber der Region des Selbst, dann errichtet er etwas um sich, das ihn bei sich selbst hält, und dann können seine natürlichen Energien sich in Ruhe bilden und akkumulieren. Sobald er jedoch wieder in den Wachtraum eintritt, verfliegen diese Energien wieder in alle vier Winde."

Douglas Lockhart: Wer den Wind reitet, S. 103


GLR ▶ https://www.reschke.de
Twitter ▶ https://twitter.com/GLReschke
GAB ▶ https://gab.ai/GLReschke
Steemit ▶ https://steemit.com/@glreschke
DTube ▶ https://dtube.video/#!/c/glreschke
YouTube WP ▶ https://www.youtube.com/wertperspektive
YouTube KDF ▶ https://www.youtube.com/ReinesSein
YouTube DAS ▶ https://www.youtube.com/c/DieandereSeite
BitChute ▶ https://www.bitchute.com/channel/glr/
DM WP ▶ http://www.dailymotion.com/wertperspektive/
DM KDF ▶ http://www.dailymotion.com/kraft-der-freiheit/
Selbsterkenntnis Wiki ▶ https://www.selbsterkenntnis-wiki.de
Tantra Wiki ▶ https://www.reschke.de/wiki
Uhren-Wiki ▶ https://www.uhren-wiki.net
Watch Wiki ▶ https://www.watch-wiki.net
Zeitgefühl ▶ https://www.zeitgefuehl.de

Haftungsausschluß: Für Inhalte, insbesondere Einschätzungen und Empfehlungen, wird trotz sorgfältiger Auswahl keine Haftung übernommen. Es handelt sich ausdrücklich um keine Anlage- oder sonstigen Finanzierungsempfehlungen, sondern um unverbindliche Informationen im Sinne von Meinungsäußerungen. Die Nutzung aller Veröffentlichungen geschieht auf eigene Verantwortung. Für eine rechtlich verbindliche Beratung wenden Sie sich bitte an die dafür zuständigen Berufsgruppen.
Der Seitenbetreiber übernimmt auch keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen. Desgleichen kann keinerlei Verantwortung für etwaige Folgeschäden übernommen werden, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch von hier vorgefundenen Aussagen oder Informationen entstehen. Dies gilt ebenso für Verlinkungen und für von Internetdiensten (Feeds) automatisch eingespeiste Links und Texte.

Startseite | GLR Bücher | HTML5
Copyright © 2017 Gerd-Lothar Reschke | Impressum