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der
Freiheit

Wie viele Wahlberechtigte gibt es, die gleichzeitig “öffentliche Bedienstete” sind?

Von M. Schweiger | 9. September 2012 (Links werden noch korrigiert; Stand 19.11.2016)

Hier ist eine Information, die weitreichende Folgen haben kann:

Die Frage ist, welcher Anteil der wahlberechtigten Bevölkerung hauptsächlich von staatlichen Zahlungen lebt.
Und wenn diese die Mehrheit in der Bevölkerung darstellen, kann man darauf schließen wie wahrscheinlich es ist, daß das derzeit bestehende Umverteilungssystem geändert wird.

Ich habe irgendwo gelesen, daß 52% der Wahlberechtigten ausschließlich von monatlichen Überweisungen des Staats leben. Das wäre der Hammer. Hier habe ich verschiedene Meinungen eingeholt, wie man die wahre Zahl berechnet. Nachstehend einfach aufgelistet, was dabei herauskam – ohne Gewährleistung für die Richtigkeit:Die Betrachtung unter Ziffer 3 kommt der Wahrheit wohl am nächsten. Sie beruht auf Zahlen, die zwar bis zu sechs Jahren alt sind, aber es ist alles sehr konservativ gerechnet. In Wahrheit wird das Verhältnis mit heutigen Zahlen sogar noch schlechter ausfallen.

Und da ergibt sich der Wert 53%.

1. Methode Wikipedia:

Es gibt in der BRD 2,2 Mio Arbeitslose bei einer Arbeitslosenquote von 6,6%. Die anderen 93,4% haben demnach Arbeit. Dies macht also die arbeitende Bevölkerung aus. Es sind insgesamt 93,4*(2,2/6,6)Mio = 31,13 Mio. Es gibt zur Zeit nach offiziellen Angaben 4,58 Mio Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Prozentual ausgedrückt sind das 4,58/31,13 * 100% = 35%, aber nicht 52%. Selbst wenn man von einer extrem geschönten Arbeitslosenstatistik ausgeht und nochmals ganz 10% draufrechnet ergibt das keine Mehrheit.

(Stand Februar 2012)

Anmerkung: Diese Berechnungsmethode ist grundsätzlich wahrscheinlich nicht so schlecht (wenn man davon absieht, daß sich der Einsender verrechnet hatte), hängt aber sehr an der Definition der Arbeitslosenquote. Mehr dazu hier

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/arbeitslosenquote.html

2. Der Vorsitzende des Beamtenbundes Peter Heesen sagt, es seien nur 11,7% der arbeitenden Bevölkerung im öffentlichen Dienst tätig. Es müssen also etwa 4,7 Mio sein.

Der Unterschied ist der folgende: Die Zahl der Erwerbstätigen wird vom deutschen Beamtenbund auf 40Mio angesetzt statt der oben errechneten 31 Mio.

3. Nun muß das Problem systematisch angegangen werden.

a) Auflistung der Personengruppen, die ihren privaten Bedarf zu großem Teil aus Staatsknete bekommen

erste Gruppe, unmittelbarer öffentlicher Dienst

- Bundeswehrsoldaten
- Richter
- Beamte
- Angestellte im öffentlichen Dienst (Bund, Länder, Gemeinden)
- Angestellte in staatsnahen Unternehmen wie Deutsche Bank und Commerzbank

Die alle zusammen waren im Jahr 2006 etwa 4,6 Millionen Leute, Quelle hier

http://www.bpb.de/wissen/68ET1Y

Wie oben unter 2. ausgeführt stimmt diese Zahl ganz grob gerechnet.

zweite Gruppe: Hartz IV- und ALGII/Sozialgeld-Empfänger (auch genannt: “die Beamten der niedrigsten Besoldungsstufe“)

Das waren in 2009 etwa 6,7 Millionen Leute

http://www.welt.de/politik/deutschland/article11504861/Zahl-der-Hartz-IV-Empfaenger-steigt-auf-6-7-Millionen.html

dritte Gruppe: Empfänger von anderen Fördermaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit, beschrieben hier

http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/Veroeffentlichungen/Merkblatt-Sammlung/MB-3-Vermittlungsdienste-Leistungen.pdf

Förderung aus dem Vermittlungsbudget
Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung
Förderung der beruflichen Weiterbildung
Förderung der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit
Empfänger von Arbeitslosengeld, Insolvenzgeld, Kurzarbeitergeld, Teilarbeitslosengeld, etc.

Die Zahl dieser Leistungsempfänger ist schwierig zu bestimmen. Hier

http://www.webdesign-luene.de/aktuelles/2011/01/05/analyse-die-tatsaechlichen-arbeitsmarktzahlen-dezember-2010/

habe ich einige Informationen gefunden. Ich schätze aufgrund der Informationen dort die Zahl der Empfänger von anderen Fördermaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit auf etwa 1,5 Millionen.

vierte Gruppe: BFA-Rentner

Ja, die BfA-Rentner bekommen ihr Geld vom Staat, denn die staatliche Organisation BfA erhebt die “Altensteuer” insbesondere von den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wie eine direkte Steuer.

Aufgrund der Informationen auf der Website der BFA
http://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/de/Navigation/Deutsche_RV/statistik/wichtige_eckzahlen_node.html

kann man davon ausgehen, daß das derzeit etwa 20 Millionen Leute sind, die monatlich vom Staat in Form der BfA Geld überwiesen bekommen.

(Nebenbemerkungen: Es gibt derzeit nach den Angaben auf der BFA-Homepage angeblich etwa 50 Millionen “Versicherte ohne Rentenbezug” in der BFA - wo kommen die alle her, wo es angeblich doch nur 30Mio oder 40Mio Erwerbstätige gibt? – und die Renten können nur in ausreichender Höhe bezahlt werden, weil der Fiskus erhebliche Beträge zuschießt.)

Das macht bisher zusammen etwa 33 Millionen Leute, die ganz oder nahezu ausschließlich ihr Einkommen vom Staat beziehen. Darin sind noch gar nicht die sonstigen großen und kleinen Bezieher von monatlichen staatlichen Alimenten eingerechnet, nämlich die Berufspolitiker, staatskirchliche Priester, Empfänger von Erziehungs- und Kindergeld, und viele mehr.

Der Einfachheit halber teilt man aber nur diese Zahl “33 Millionen” durch die Zahl der Wahlberechtigten.

Wahlberechtigt waren in 2009 etwa 62 Millionen Leute, Quelle hier
http://www.bundeswahlleiter.de/de/bundestagswahlen/BTW_BUND_09/presse/11Wahlberechtigte_Laender.html

Somit kommt man auf eine geringe, aber deutliche Mehrheit der staatlich alimentierten Empfänger an der Wählerschaft in Deutschland, nämlich 53%. Q.e.d.

Wie soll sich da in einer Demokratie, in der jeder dieselben Stimmrechte hat, etwas ändern? Bei einer solchen Stimmenverteilung muß die Reise in eine Richtung gehen, bei der die staatliche Alimentierung eher noch erhöht wird.


Nachtrag 07.06.12:

Lesenswerter Artikel zu einem dazu verwandten Thema:
Andreas Tögel: Wider den Fetisch Mehrheit, hartgeld.com, 2012

und auch hier:
http://www.theintelligence.de/index.php/wirtschaft/180-deutschland-deutsche/4548-verlogene-zahlenspielefakten-zur-situation-am-arbeitsmarkt.html


Nachtrag 24.08.2012:

Weil ich immer gefragt habe, wohin man flüchten kann, wenn man sich in Deutschland gerade wegen dieser Schieflage in der Wählerschaft nicht wohl fühlt, habe ich hier
Weg von Deutschland, nur wohin?
einen kleinen Artikel dazu zusammengestellt.

Alternativ dazu bleibt noch die Immigration nach innen, aber man braucht sehr viel Stamina, um den Verlockungen des Systems nicht zu erliegen. Hinzu kommt, daß es wirklich schwierig ist, sich nach einigen Jahren wieder auf ein eigenverantwortliches und selbst netto verdientes Leben umzustellen.


Nachtrag 31.08.2012:

hartgeld.com ist wirklich eine ständige Fundgrube für Informationen. Dort habe ich heute den folgenden Link gefunden,

http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61781/vermoegensverteilung

aus dem sich ergibt, daß 27% der Deutschen gar nichts haben, außer Schulden. Dagegen verfügen die reichsten 10 Prozent aller volljährigen Personen im Jahr 2007 über 61,1 Prozent des gesamten deutschen Vermögens.

Wer wird also in der Zukunft versuchen, wem das Geld abzunehmen?


Nachtrag 02.09.2012:

Die oben angenommenen Zahlen sind wirklich sehr konservativ gerechnet gewesen.

Herr Klaus Wallmann hat nämlich unter randzone-online.de Zahlen zusammengestellt, aus denen sich ergibt, daß die Zahl der oben unter Ziffer 3. aufgeführten Leistungsempfänger viel zu niedrig angegeben ist. Wenn seine Angaben stimmen, dann fehlen in der obigen Bilanz etwa 3 Millionen staatliche Leistungsempfänger.

In kurzen Worten, er gliedert die Leistungsempfänger wie folgt auf:
- Arbeitslose 2.905.112
- Arbeitslosengeld 837.093
- Hartz IV (ALG II) 4.420.094
- Sozialgeld 1.691.486

Das sind nach ihm zusammen 6.948.673 Leistungsempfänger.

Er führt weiter an, daß diese Zahl noch nicht das wahre Ausmaß zeige, denn hinzu kommen noch die Empfänger von Wohn­geld, von Kinderzuschlag, von Grund­si­che­rung im Alter oder von Sozi­al­hilfe nach SGB XII.

Weitere 3.841.032 Menschen nahmen laut einem BA-Bericht vom August 2012 an sogenannten “Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik” teil.

Wenn das so stimmt, dann fällt das Verhältnis derjenigen Wahlberechtigten, die ausschließlich von Staatsknete leben, noch schlechter aus. Dann sind das nämlich nicht 33 Millionen, wie oben angegeben, sondern 35,6 Millionen, was dann 57,3% der Wahlberechtigten ausmacht.

Wie gesagt, darin sind noch gar nicht die sonstigen großen und kleinen Bezieher von monatlichen Überweisungen des Staats eingerechnet.

Ich wiederhole die Frage: Wie soll sich da in einer Demokratie, in der jeder dieselben Stimmrechte hat, etwas ändern? Bei einer solchen Stimmenverteilung muß die Reise in eine Richtung gehen, bei der die staatliche Alimentierung eher noch erhöht wird.

Kommentare

Erstmal hat nicht Klaus Wallmann sen. die im Nachtrag vom 2.9. genannten Zahlen “aufgestellt”, sondern diese lediglich dem August-Bericht der BA entnommen.
Zum anderen ist die Zahl 2.905.112 die der offiziell eingestandenen Arbeitslosigkeit, die auch die bürgerlichen Medien vorrangig transportieren. Nur die danach folgenden drei Zahlen ergeben die Zahl der 6.948.673 Leistungsempfänger.

Zum dritten waren im August die genannten 3.841.032 Personen “unterbeschäftigt”, während 842.274 an sogenannten Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik teilnahmen. Diesen Fehler muß man allerdings mir zurechnen – bei der Verlinkung zum BA-Bericht ging da etwas schief, weshalb auch der hier genannte Link nicht funktioniert. Richtig ist dieser:

http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Monatsbericht-Arbeits-Ausbildungsmarkt-Deutschland/Monatsberichte/Generische-Publikationen/Monatsbericht-201208.pdf

Geschrieben von Klaus Wallmann sen


In den Parlamenten sind meines Wissens 68% ehemalige Beamte oder Regierungsbedienstete, weshalb viele Entscheidungen zugunsten der Beamten ausfallen.

Ich seh das selber so, dass nur für Aufgabenbereiche wo man sein Leben riskiert verbeamtet werden muss. In DE wird aber für Bereiche verbeamtet, wo auch ein Sozialkasseneinzahler sitzen und arbeiten kann, wie in Bauämtern.

Das ist nur eine Mischkalkulation. der Staat spart damit selber die SV-Beiträge für die und damit Gehaltsanteile. Auch kann er Kosten damit verdecken und nach hinten schieben – eben als Pensionslast zunächst auslagern. Es ist nur eine Mischkalkulation – deshalb arbeitet oft – nach Zufallsprinzip – neben einem verbeamten Ingenieur z.B. zeitgleich mit selber Tätigkeit ein angestellter Ingenieur — beide arbeiten oft auch noch gleich gut.

Totaler Humbug, was da gemacht wird. Es gibt keinen sachlichen Grund, sondern es ist nur eine Mischkalkulation der Personalkosten und Verschiebung nach hinten.

Von den Transferbeziehern in den sozialen Brennpunkten gehen aber viele nicht wählen! Das kann jede Statistik beweisen, zum Teil dürfen sie gar nicht wählen gehen, z.B. wenn die Staatsbürgerschaft fehlt, zum Anderen interessiert es sie nicht. Die Wahlbeteiligung in meinem Stadtteil (42% arbeitslos) ist mit ca. 20-25% Wahlberechtigter sehr niedrig.

Geschrieben von xyz

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