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Kraft
der
Freiheit

Die individuelle und die politische Wirklichkeit

Von GLR | 10.6.2017 17:00

Deine individuelle Wirklichkeit

Die individuelle Wirklichkeit: das ist deine Wirklichkeit, nämlich dein Leben. Vom Beginn bis zum Ende. Das ist das, was du erlebst. Es ist nicht das, was du nicht erlebst, nie erlebt hast und nie erleben wirst. Es ist nicht die Zeit vor deiner Geburt und nicht die Zeit nach deinem Tod. (Übrigens: Das erste hast du nicht erlebt und das zweite wirst du auch nie erleben. Eben weil es nicht Teil deiner Wirklichkeit ist.)

Deine individuelle Wirklichkeit

Deine wahre politische Wirklichkeit ist eben dies, nämlich genau dasselbe wie deine individuelle Wirklichkeit. Denn du erlebst nicht nur dein "Privatleben", sondern die Gesamtheit deiner Welt, und zu dieser gehört nun mal auch alles, was um dieses Privatleben herum für dich erfahr- und wahrnehmbar ist.

Die kollektiv konstruierte Scheinwirklichkeit

Bei der kollektiven Wirklichkeit hingegen handelt es sich um ein kollektiv übereingestimmtes Gebilde, was rein in der Vorstellung und in einer Ideen- bzw. Gedankenwelt existiert. Aber nicht wirklich! Es ist eine Scheinwirklichkeit, die anstelle der wahren Wirklichkeit tritt und die all denjenigen, die auf sie hin konditioniert worden sind, weiszumachen versucht, realer zu sein als das, was sie selbst direkt erleben.

Diese kollektiv konstruierte Scheinwirklichkeit ist in der gängigen Politik das, was ich "alle vier Jahre Kreuzchen machen" nenne. Es ist Entmündigung und Selbstverrat. Nicht, daß es falsch oder gefährlich wäre, zur Wahl zu gehen. Die Agenda der Wahlgegner, die für Boykott von Wahlen eintreten, ganz so, als würde dadurch ein Mehr an Autonomie erreicht und als könnte man so dem jeweiligen Regime ein Schnippchen schlagen, ist viel zu kurz gedacht und völlig nutzlos, ja absurd. Ich meine etwas viel Grundlegenderes, nämlich die Rückkehr in die wahre individuelle Autonomie, also einen positiven Schritt der Bejahung und Bekräftigung, ja der Selbstfindung und Selbstverwirklichung, nicht einen negativen Schritt der Vermeidung, Verleugnung und Verweigerung.

Das Kreuzchenmachen ist Selbstentmachung. Denn es entführt aus der direkten individuellen und politischen Wirklichkeit in die kollektive Wirklichkeit, also aus der wahren Welt in die Scheinwelt. Es macht aus mündigen, selbständigen und freien Bürgern Zombies und Hypnotisierte.

Diese Zombies und Hypnotisierten leben danach, was man ihnen erzählt hat; sie glauben die Märchen, die man ihnen eingeredet hat, und bewerten sie höher als ihre eigenen Wahrnehmungen und Eindrücke. Sie lassen sich von Ideologien und Konzepten, von komplizierten theoretischen Weltanschauungen und Dogmen an der Nase herumführen und werden zu deren Werkzeugen. Sie haben sich selbst als Menschen, als von der Natur mit Fähigkeiten ausgestattete Wesen bereits aufgegeben und verraten. Das ist der eigentliche Verlust jeder Chance, noch so etwas wie Wahrheit antreffen und im eigenen Leben verifizieren zu können. Das ist der eigentliche Ursprung aller Unfreiheit, aller Tyrannei und allen Mißbrauchs.

In der kollektiv konstruierten Scheinwirklichkeit ist jeder Mensch bedeutungslos, einer von Milliarden anderen, also quasi nichtexistent, und aufgrund des herrschenden naturwissenschaftlichen Weltbilds eine pure Reiz-Reaktions-Maschine, ein Bio-Automatismus. Ein Rädchen im Getriebe, ein von Generälen auf dem Planfeld ihrer Kriegsstrategie herumgeschobener Zinnsoldat, eine hüpfende und explodierende Figur in einem Computerspiel. Um den Unterschied zu verstehen, ist es nötig, sich damit auseinanderzusetzen, was Bewußtsein ist und für die Lage des einzelnen bedeutet.

Die Rolle des Bewußtseins

Bewußtsein gibt es nur in der direkt gelebten und erfahrenen Wirklichkeit, nicht in einer abstrakt konstruierten, nach theoretischen Konzepten abgeleiteten Wirklichkeit. In der ersten ist der Mensch autonom, in der zweiten nicht. Nur in der ersten existiert er; in der zweiten existiert er nicht.

Selbstbefreiung bzw. die Wiederentdeckung der immer vorhandenen persönlichen Freiheit geschieht mit dem Wieder-Ankommen in der direkten Lebenswirklichkeit des eigenen Lebensumfelds — sowohl individuell als auch politisch. Ein Mensch, der in diesem eigenen Lebensumfeld so lebt, als wäre er hier der König und als bräuchte er keine Angst mehr vor staatlichen Obrigkeiten und Behörden, vor fremden Mächten und Konzernen, vor globalistischen Institutionen zu haben und als hätten ihm alle versammelten Propagandisten der Massenmedien nichts Neues mehr mitzuteilen, hat seine gesamte eigene Lebenskraft zur Verfügung.

Macht und Ohnmacht

Das heißt nicht, daß er bezogen auf eine kollektiv konstruierte Scheinwirklichkeit "mächtig" wäre und "alles tun könnte". Auch in der kollektiv konstruierten Scheinwirklichkeit ist niemand "mächtig" und kann "alles tun" — weil es diese kollektiv konstruierte Wirklichkeit gar nicht gibt und weil jeder, der in deren Sphären eindringt (wie etwa ein gewählter Politiker, Staatsmann oder Parteifunktionär), auch nur wieder seine eigene direkte Wirklichkeit hat und erfährt. Ist er realistisch und nüchtern und verfällt er nicht dem Macht-Wahn, dann wird er genauso das tun oder lassen, was jeder andere Privatmann tun oder lassen kann. Verfällt er dagegen dem Macht-Wahn, dann wird er noch weniger tun können, nämlich nur zerstören können. Das zeigt auch die gesamte Geschichte der Menschheit.

Bewußter Ausdruck der Lebenskraft

Mit dem Ankommen in der eigenen Welt und dem Entdecken der Lebenskraft, deren freudiges und dankbares Vehikel man ist, läßt sich alles tun, was überhaupt getan werden kann. Dies folgt genau derjenigen Logik, die durch die jeweilige persönliche Besonderheit, die spezielle Lebenssituation, die speziellen Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen vorgegeben ist. Das bedeutet, sein Potential zu entfalten.

Und genau hier sind wir bei der Chance, die das Gewahrwerden dieses gesamten Zusammenhangs für ein echtes gemeinschaftliches Mitwirken eröffnet. Wir gelangen dann nämlich automatisch zu freiem und starkem Selbstausdruck. Das unvermeidliche Kennzeichen dieses Selbstausdrucks ist Freude, ist eine Erfüllung im Tun selbst, ohne durch Mißerfolge noch enttäuscht werden zu können. Es ist ein Spiel, kein Kampf. Wer dieses Spiel spielt, ist stärker als all diejenigen, die in ihrer beengten Welt von Macht und Ohnmacht um starr vorgefaßte Ziele und Zwecke kämpfen und sich, vollgepumpt mit Ressentiments, Wut, Haß, Groll und Angst, an eingebildeten Gegnern abarbeiten.

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